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Auf Buddhas Pfaden

Nach einem anstrengenden Aufstieg eröffnet sich bei sonnigem Wetter ein faszinierender Blick auf Bhutans nördlichste Kette des Himalayas mit seinen über 7.000 Metern hohen, schneebedeckten Bergriesen. Ein solch wunderbarer Ausblick ist keine Seltenheit, wenn man die Mühe nicht scheut, zu den Bergklöstern Bhutans zu pilgern.

Wir sind gerade in Phadjoding, einer Klosteranlage oberhalb Thimphus, die sich auf einem grünen Hang zwischen ca. 3.600 und 3.800 Metern Höhe erstreckt. Eine Gruppe von Mönchen in ihren typisch weinroten Kutten und den orangenen Hemden steht vor einem der Häuser und bereitet Räucherpulver zu. Jüngere Novizen rennen ausgelassen herum. Ein wunderbar lebensfrohes Bild. Nach einigen Minuten der Ruhe schaue ich mich um und sehe, dass einige Gebäude zum Teil tiefe Risse haben und dringend renoviert werden müssten. Andere wurden gerade ausgebessert.

Plötzlich spricht mich ein Mönch in gutem Englisch an. Es ist Lama Namgay, einer der führenden Mönche des Klosters, der auch für die Ausbildung der Novizen verantwortlich ist. Er fragt mich, wer ich sei und woher ich komme und lädt mich zu einer Tasse Tee ein, die ich nach der Anstrengung gerne annehme. Zur traditionellen Suja (gesalzenem Buttertee) gibt es zum Knabbern noch Zaw, gebratenen Reis. Von Namgay, den ich in den folgenden Monaten und Jahren immer wieder gerne besucht habe, erfahre ich mehr über die lange Geschichte des Klosters. Es wurde schon im 13 Jahrhundert gegründet, die meisten Gebäude stammen jedoch aus dem 18. Jahrhundert.

Auch über das Klosterleben unterhalten wir uns und Namgay erzählt mir, wie entbehrlich aber auch gleichzeitig erfüllend das Leben der Mönche hier oben sei. Jungs werden oft schon in sehr jungen Jahren zur Mönchsausbildung in die Klöster geschickt. Früher war es das Ziel jeder Familie einen Jungen zum Mönch ausbilden zu lassen. Das galt als Segen für die ganze Familie. Heute lässt diese Tradition etwas nach. Nach unserem Gespräch gehe ich noch zum höchst gelegenen Gebäude, das das eigentliche Kloster beherbergt, um in Stille zu beten. Danach muss ich von diesem inspirierenden Ort wieder Abschied nehmen. Es geht zurück nach Thimphu.

Aber Phadjoding ist nur eines von vielen Klöstern in Bhutan. Einige liegen atemberaubend, wie das wohl bekannteste Kloster Bhutans Taktsang oder Tigernest, auf einer Klippe. Der Sage nach ist es an der Stelle erbaut worden, an der Guru Rinpoche, der den Buddhismus nach Bhutan brachte, auf einem Tiger gelandet ist und mehr als drei Jahre in einer Höhle meditierte. Sowohl die Bedeutung des Klosters wie auch die Lage zieht viele fremde wie auch einheimische Besucher an. Die Schönheit des Klosters ist einzigartig.

Auch die beiden ältesten Klöster Bhutans, die identisch aufgebaut sind, haben eine große spirituelle Anziehungskraft. Kyichu Lhakhang liegt in Paro und Jambay Lhakhang in Bumthang. Es sind zwei von 108 Klöster, die der Sage nach im siebten Jahrhundert vom tibetischen König Songtsen Goenpo an einem einzigen Tag in Tibet, Bhutan und in angrenzenden Regionen erbaut wurden. Diese Klöster sollten eine Dämonin, die die Menschen der Region bedrohte, an den Boden fixieren, um sie so unschädlich zu machen.

Nicht alle Klöster liegen so spektakulär wie Taktsang oder haben eine so interessante Geschichte wie Kyichu Lhakhang, der Weg dorthin lohnt sich allemal, denn die Klöster sind ein wichtiger Bestandteil der bhutanischen Kultur.