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Die glücklichsten Menschen der Welt

Geht man durch die Städte und Dörfer Bhutans schaut man in zumeist freundliche, Gesichter. Lächelnde Augen begrüßen einen und man hört oft ein fröhliches „Kuzuzangpo“ oder „Hello“. Doch sind Bhutaner wirklich die glücklichsten Menschen der Welt?

Welch eine Frage? Wie könnte man so etwas beantworten? Dafür müsste man erst wissen, was Glück ist und wie es gemessen werden kann. Weltweit gibt es verschiedene Ansätze, das Glück von Bevölkerungen zu messen. So versucht der Happy Planet Index (HPI), Glück bzw. Zufriedenheit in Form von Wohlbefinden und Lebenserwartung basierend auf dem ökologischen Fußabdruck zu ermitteln. Hier lag Costa Rica 2012 ganz vorne. Bhutan wurde nicht aufgeführt. Im World Happiness Report 2015 der UNO, der Daten der Sozialsysteme und des Arbeitsmarkts zusammen mit Ergebnissen aus Befragungen über die subjektive Wahrnehmung der Menschen auswertet, nahm die Schweiz die Spitzenposition ein. Hier lag Bhutan nur auf Platz 79.

Dabei ist Bhutan eigentlich der „Erfinder“ der staatlichen Glücksindices. Alles fing damit an, dass der damals noch sehr junge IV. König von Bhutan, Jigme Singye Wangchuck, in den 70er Jahren bei einem Besuch in Indien von einem Reporter nach der Entwicklung des doch geringen Bruttoinlandprodukts (Gross National Product – GNP) gefragt wurde. Seine Antwort war, dass ihm das Bruttonationalglück (Gross National Happiness – GNH) wichtiger sei als das GNP. Das verdutzte den armen Journalisten doch arg, obwohl 1968 Robert F. Kennedy auch schon das Bruttoinlandsprodukt als Maß des Wohlstands in Zweifel gezogen hatte.

Doch was sagt das Bruttosozialprodukt (BSP) über unser Wohlergehen aus? Eigentlich misst es nur den Geldwert aller innerhalb eines Jahres von einer Volkwirtschaft erzeugten Güter und Dienstleistungen. Geht es uns durch eine Erhöhung des BSP wirklich besser? Das BSP steigt nämlich auch durch einen schweren Unfall auf einer Autobahn. Auch hier werden Materialien und Dienstleistungen benötigt, die das Bruttosozialprodukt erhöhen.

Bhutan wollte diesen Weg nicht gehen. Es hat lange an seinem Glücks-Konzept (GNH) gearbeitet und ein erstaunliches Ergebnis erzielt. Ursprünglich stellte es das Konzept auf vier Säulen:

  • Gute Regierungsführung
  • Nachhaltige sozio-ökonomische Entwicklung
  • Bewahrung und Förderung der Kultur
  • Schutz der Umwelt und Natur

Mittlerweile werden zur Ermittlung des Ergebnisses gemäß GHN Center Bhutan 151 Variablen aus 33 Feldern und 9 Domänen abgefragt und wissenschaftlich ausgewertet (Lebensstandard, Bildung, Nutzung der Zeit, geistiges Wohlbefinden, Gesundheit, Gemeinwesens, Kultur, Umwelt, gute Regierungsführung). Alle zwei Jahre wird die Umfrage neu erhoben, in der die Helfer zum Teil tagelang bis in die letzten Winkel Bhutan wandern. Auch in diesen Umfragen zeigt sich, dass nicht jeder absolut zufrieden oder gar glücklich ist. Aber die Regierung nimmt Belange ihrer Bevölkerung sehr ernst. So werden z.B. neue Gesetze vor deren Einführung dahingehend geprüft, ob sie zur Steigerung des Glücks dienen. Das ist ein erstaunlicher Ansatz für ein Land, das nicht gerade zu den reichen Ländern der Welt gehört. GNH ist in Bhutan nicht nur ein Index, sondern vielmehr eine Entwicklungsphilosophie.

Was bedeutet das aber nun für die Menschen auf der Straße?
Wenn man mit Bhutanern in Kontakt kommt, fällt einem sofort ihre freundlich, offene und lebenslustige Art auf. Sie nehmen das Leben wie es kommt und versuchen ihm das Beste abzugewinnen. Ich habe selten woanders in der Welt so viel lächelnde Menschen gesehen, die in sich zu ruhen scheinen. Das mag vielleicht am Buddhismus liegen, der darauf abzielt, die Grundübel Unwissenheit, Hass und Habgier zu überwinden, um Leiden zu verringern. Wenn man Bhutaner auf der Straße anspricht, was sie von ihrem GNH-Konzept halten, bekommt man eher zögerliche oder ablehnende Antworten. Doch das ändert nichts daran, dass den Menschen trotz aller Probleme, die es natürlich auch in Bhutan gibt, selbst ohne großen Reichtum zufrieden erscheinen.

Denn eines ist sicher und wird durch viele Studien belegt: Geld allein macht nicht glücklich.