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Die größte Hosentasche der Welt

Hosentasche? Na ja, das stimmt nicht ganz, denn die traditionelle Kluft der Bhutaner kennt keine Hosen, sondern nur die Kira für die Frau und den Gho für den Mann. Es sind lange, wunderschön und oft farbenprächtig gewebte Stoffe, die kunstvoll um den Körper gewickelt werden.

Die für den Alltag bestimmte Kleidung ist einfacher in Muster und Stoffwahl. Die Trachten, die hingegen bei besonderen Anlässen getragen werden, sind nicht selten aus reiner Seide. Diese Stoffe sind reich verziert und in vielen Farbvarianten erhältlich. Eine Voll-Kira, die von den Schultern bis zum Boden reicht, kann auch schon mal 1.000 € oder mehr kosten. Doch wenn man sieht, wie aufwändig die Stoffe in liebevoller Handarbeit hergestellt werden, relativiert sich der Preis. Für eine Kira mit feinem Muster und vielen Farben benötigt eine erfahrene Weberin bis zu einem Jahr. Eine Halb-Kira, die erst etwas oberhalb der Hüfte beginnt, benötigt natürlich etwas weniger Zeit. Über die Kira tragen die Damen meist noch einen Tego. Das ist eine kurze Jacke, die ebenfalls kunstvoll designt ist.

Für den ungeübten Anwender ist es nicht einfach, sich die traditionelle Kluft anzulegen. Man braucht entweder Übung oder Hilfe. Der Stoff des Ghos erscheint überdimensioniert und reicht bis zum Boden. Er wird mit einem Gürtel (ohne Schnalle) hochgebunden und die viel zu langen Ärmel werden hochgeschlagen. Wenn alles fertig ist, sieht er untenherum eher aus wie ein Rock. Zugegeben, das ist schon etwas außergewöhnlich. Eine Kira anzulegen ist ähnlich schwer, da der Leihe nicht weiß, was er oder besser gesagt sie mit so viel Stoff anfangen soll. Die fertig gewickelte Kira wird auch mit einem Gürtel befestigt, aber wie sie auf den Bildern sehen, wird sie nicht hochgebunden. In Bhutan zeigt nämlich der Mann Knie nicht die Frau.

Vielleicht denken Sie, dass ich Sie am Thema – „Die größte Hosentasche der Welt“ – vorbeiführe. Dem ist aber nicht so. Es ist nämlich der kunstvoll gewickelte Stoff, der den riesigen Stauraum bildet, in dem nicht nur ein Taschentuch und ein Schlüsselbund Platz finden. Die Tasche erstreckt sich vom Rücken bis zum Bauch und Bhutaner wissen ihn zu nutzen. Dies hat Bhutans amtierender Premier Minister, Tshering Tobgay, eindrucksvoll im TED Talk * vom Februar 2016 demonstriert. Er holte zur Belustigung der Zuschauer neben seinem Mobiltelefon auch noch ein Buch und sogar seinen Laptop aus seiner „Gho-Tasche“, ohne das man es zuvor hätte erahnen können.

Da wird die Taschenindustrie neidisch, denn ähnliches gilt auch für die Frauen. Allerdings entsteht die Tasche nur bei der Voll-Kira. Damen, die die Halb-Kira bevorzugen – und die bilden schon fast die Mehrzahl – haben keine Wickeltasche und greifen deshalb gerne auf die „moderne“ Damenhandtasche zurück, die zum Teil aus den gleichen wunderschönen Stoffen hergestellt werden.

Wer außerdem Interesse hat, den beeindruckenden Vortrag des Premier Ministers Bhutans anzuschauen, indem es insbesondere um die Karbon-Neutralität des Landes geht, kann den folgenden Link verwenden:

Vortrag des Premier Ministers Bhutans