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Von Gebetsfahnen und Räucherstäbchen

Bhutan ist ein spirituell geprägtes Land. Die meisten Menschen sind tiefgläubige Buddhisten, die ihren Glauben sichtbar praktizieren. Schon beim Anflug auf den internationalen Flughafen Bhutans kann man erste Zeichen sehen. Im Wind flatternde Gebetsfahnen schmücken die Hänge des Parotals und heißen die Menschen Willkommen.

Gebetsfahnen haben eine viele Jahrhunderte lange Tradition und gehen auf die vorbuddhistische Bön-Kultur zurück. Auf ihnen sind Mantras gedruckt, die z.B. Glück, Weisheit, Frieden oder auch Gesundheit bringen sollen. Der Wind, der durch die Fahnen weht, trägt die Gebete in die Welt hinaus. Deshalb werden sie bevorzugt an besonders exponierten Stellen wie Brücken, Bergpässen und Gipfeln aufgehängt. Aber auch in der Nähe von Häusern sind sie zu sehen. Auf Wanderungen zu Bergklöstern weisen sie einem den Weg, den man so schon vom Tal aus erahnen kann. Die bunten Fahnen prägen das Bild Bhutans. Dem aufmerksamen Betrachter fällt auf, dass es sie in fünf Farben gibt. Jede Farbe steht für ein Element – Blau symbolisiert den Himmel, Weiß die Luft, Rot das Feuer, Grün das Wasser und Gelb die Erde. Hängen sie zusammen an einer Schnur, ist dies auch die richtige farbliche Reihenfolge. Es gibt aber auch einfarbige Gebetsfahnen. So sollen z.B. für einen verstorbenen Menschen 108 weiße, an Masten angebrachte Fahnen aufgestellt werden. Auch der Umgang mit Gebetsfahnen ist zu beachten. Sie müssen immer mit sehr viel Respekt gehandhabt werden. So darf man sie nie übersteigen und am Ende, wenn sie durch den Wind ausgefranst sind, so dass die Mantras nicht mehr vollständig gelesen werden können, dürfen sie nicht weggeworfen, sondern müssen verbrannt werden.

Gebetsmühlen übernehmen eine ähnliche Funktion wie Gebetsfahnen. Werden sie gedreht, schicken sie ihre Botschaft in die Welt und steigern so das gute Karma der Menschen, die sie bewegen. Neben dem Aufdruck auf der äußeren Hülle, tragen Gebetsmühlen im Inneren mit Mantras bedruckte Schriftrollen oder Gebetsfahnen, damit sich ihre positive Wirkung verstärkt. Es gibt sie in den unterschiedlichsten Größen – von kleinen, handlichen Ausfertigungen bis hin zu schweren, meterhohen Konstruktionen, die erst einmal in Schwung gebracht werden müssen.

Neben diesen bekannten spirituellen Symbolen gibt es aber auch weniger bekannte Formen, die ihren Ursprung wohl in der vorbuddhistischen Zeit haben. Eines sind die Tsa-Tsas. Das sind kleine, konische, aus Lehm geformte Figuren, die als Opfergaben in Höhlen, Wurzelnischen oder auf den Stufen von Chorten (Stupas) gestellt werden. Auch sie sollen das Karma verbessern.

Geisterfallen hingegen sollen das Haus vor bösen Dämonen schützen. Es sind einfache Holzgestelle, auf denen spinnennetzartig bunte Wollfäden aufgezogen sind. Hierin, so heißt es, würden sich die Geister verfangen, sodass sie kein Unwesen mehr treiben können.

Ähnlich wie bei den Gebetsfahnen hat auch der Gebrauch von Räucherstäbchen eine lange Tradition, nicht nur im Königreich Bhutan. Schon vor einigen Tausend Jahren benutzten andere Kulturen, wie die Ägypter, Griechen und Inder Räucherwerk für sakrale und heilende Zwecke. Manche Inhaltsstoffe hatten einen hohen Wert und wurden sogar mit Gold aufgewogen.

Auch heute noch wird den Räucherstäbchen eine heilende, reinigende und auch beruhigende bzw. stimulierende Wirkung zugesprochen. Sie werden gerne unterstützend bei Meditationen eingesetzt oder als Opfergabe an sakralen Orten abgelegt. Betritt man eines der vielen Klöster Bhutans oder ist man Gast bei einer Puja (spirituelles Fest), wird man meistens von dem wohltuenden Geruch glimmender Räucherstäbchen umgeben. Diesen Duft erhalten sie durch ihre auserlesenen Zutaten, wie Sandelholz, Harze, Kräuter oder auch Früchte. Zum Teil werden mehr als 20 Einzelkomponenten für die Herstellung einer Sorte verwendet. Die Mischung gibt den Räucherstäbchen auch ihre einzigartige Note.

Künstliche Aromastoffe werden in Bhutan niemals zugeführt. Im Gegensatz zu indischen Räucherstäbchen wird die eigentliche Räuchermasse im Land des Donnerdrachens nicht auf einen Holzkern aufgetragen, da dieser den Duft negativ beeinflusst. Die reine Masse wird mit der Hand ausgerollt und mit einem Messer auf die richtige Länge geschnitten. Anschließend werden die noch feuchten Räucherstäbchen an der Luft getrocknet. Aus diesem Grund sind die Stäbchen nicht immer kerzengerade. Außerdem sind sie dicker als solche aus Indien oder Japan. Einige Klöster machen ihre eigenen Räucherstäbchen bzw. ihr eigenes Räucherpulver. Dort kann man gut verfolgen, wie aufwendig der gesamte Prozess ist – vom Sammeln über das Zermahlen und Kneten bis hin zum Ausrollen und Schneiden.

An vielen Klöstern stehen auch gemauerte Räucheröfen, in denen speziell dafür gesammelte Pflanzen direkt verbrannt werden. Ihr Rauch zieht mit dem Wind über das Land und verbreitet dadurch einen wohligen Geruch.

All dies sind Zeichen, die Bhutan zu dem machen, was es ist – einen spirituellen und mystischen Ort des Friedens.